Vergangenheit, die nicht vergessen werden soll

Vergangenheit, die nicht vergessen werden soll

Bad Wildbad, 12. Januar 1945. Im Hotel Post treffen sich der Reichsführers SS Heinrich Himmler und der ehemalige Schweizer Bundespräsident Jean-Marie Musy. Der Zweite Weltkrieg nähert sich dem Ende, in den Konzentrations- und Vernichtungslagern gehen die Mörder jedoch weiterhin ungehindert ihrem blutigen Handwerk nach. Während Himmler wohl Vorkehrungen für eine möglichst bestrafungsfreie Zeit nach dem Krieg treffen will, sind die Motive Musys für die Abmachung, die an diesem Tag in Bad Wildbad getroffen werden, noch immer unklar. Es geht um Transporte von jüdischen Mitbürgern aus Konzentrationslagern über die Schweiz in die USA. Am 5. Februar setzt sich der erste Zug aus Theresienstadt in Richtung Schweiz in Bewegung. Der damals fünfjährige Pavel Hoffmann ist einer der Passagiere.

74 Jahre später, Birkenfeld, 15. Mai 2019. Achtzig Augenpaare sind auf Pavel Hoffmann gerichtet. Die Schülerinnen und Schüler aller neunten Klassen hören gebannt den Erzählungen über das Familienschicksal der Familie Hoffmann aus der damaligen Tschechoslowakei. Bis auf ihn und zwei Verwandte ist die gesamte Familie ausgelöscht, ermordet in Ausschwitz oder an anderen Orten. Schon die Schilderung der willkürlichen Erschießung des Vaters im Zuge einer Racheaktion nach einem Attentat auf den Kriegsverbrecher Reinhard Heydrich verdeutlicht, mit welcher Brutalität die Nationalsozialisten vorgingen. Erleichterung bei dem Bericht über die glücklichen Umstände der Befreiung.

Pavel Hoffmann nahm die Schülerinnen und Schüler mit auf eine beeindruckende wie auch beklemmende Reise durch seine Familiengeschichte. Es wurde deutlich, wie wichtig die Erinnerung in Zeiten von zunehmender Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus ist. Dafür, dass dies an diesem Tag auf so eindrucksvolle Weise gelang, danken wir Herrn Hoffmann nochmals herzlich.

Autor: Bernd Ordnung (für die Fachschaft Geschichte sowie die Schülerinnen und Schüler der neunten Klassen)